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Engagierter Protest "Cheap Shot" erinnert an historische Bedeutung des Rock
Abgekanzelt als hammerharte monotone und geist- lose Musik wird sie von den einen, geradezu mit In- brunst geliebt von den anderen - die Rockmusik. Genau betrachtet ist der Rock die wohl vielfältigste Musikrichtung überhaupt: Montagen, Collagen, Adaptionen mit anderen populären Strömungen bringen immer wieder neue Ausprägungen hervor. Eine eher rare Variante stellte die Sonthofer Kultur- werkstatt durch "Cheap Shot & the Upstage Horns" vor Texte in bayerischer Mundart und ein Bläserquartett als Zugabe zur Standartbesetzung. Es muss wirklich nicht immer Englisch sein. "Unser" Dialekt in diesem Fall der des Oberlandes , klingt nicht weniger flüssig, melodisch, lässt sich ge- nau so geschmeidig mit instrumentalen Tönen zu ein- gängigen Klangbildern verbinden. Und das Verstehen der Inhalte, was die tontechnischen Gegebenheiten bei diesem Konzert leider nicht immer zugelassen ha- ben, ist mit Sicherheit kein Nachteil. Zumal "Cheap Shot" in Teilen die historische Bedeu- tung des Rock als Protestsong durchaus engagiert aufleben lässt, daneben die vielen Schattierungen des Lebens von Liebe bis Leid vielfarbig beleuchtet. Den Texten, vorwiegend aus eigener Feder oder von Rockgrößen wie Wolf Mahn geschaffen, kann man In- haltskraft bescheinigen, nicht zuletzt auch den ureige- nen Charme und die dichte, direkte Aussagequalität der gesprochenen Sprache, die plastische Bildhaftig- keit von "Volkes Stimme". Markenzeichen der erfahrenen Formation sind vor al- lem ihre vier Blechbläser, die "Upstage Horns" . Trompete, Posaune und zweimal Saxophon kontras- tieren nicht nur den elektronisch dominierten Sound der "klassischen" Rockband mit zwei Gittaren, Bass und Schlagzeug spannungsreich, sondern heben ihn in eine weitere Dimension. Er kann richtig fett aufge- blasen werden, mit rock-untypischen Tönen aufge- mischt sein, oder in etlichen transparenten Schichten zu neuartigen Klangbildern geführt werden. Ähnlich den Riffs in Jazz und Bigband legen die Bläser im Kollektiv rhythmisch prägnante, meist wiederho- lende Phrasen, übernehmen bei "Cheap Shot"fallweise auch Solostimmen, verbinden sich vollständig mit den "Rockern". So wird der Sound saftiger, emotionaler und schlicht und einfach formenreicher. Auch wenn "Cheap Shot & the Upstage Horns" dann doch nicht wenig an etablierte Rockgruppen erinnern, die wie etwa "Supercharge" auch Bläser aufbieten, und in der Kulturwerkstatt, wohl dank schwachen Publikumzuspruchs, von der enthemmten Kraft des Rock, vom spontanen Engagement bisweilen wenig zu spüren war, setzt sich der kraftvolle Achter wohltuend und weitgehend frisch von den Durchschnitts-Rockern ab. Auf dem Weg in eine neue Klangdimension: "Cheap Shot & the Upstage Horns" , die in der Sonthofer Kulturwerkstatt engagiert aufspielten. Von Christoph Pfister
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